Sexworkerin: professionelle Nähe im Beruf

Aktualisiert: 14. Nov.




Oft wird den Escort-Frauen vorgeworfen, dass sie gekaufte Nähe auf Zeit bloss spielen. Jedoch kommen die Äusserungen wohl grossmehrheitlich von Menschen, die nie einen Menschen im Sexgewerbe, welche professionelle Nähe bietet, erlebt.


Was ist das?!

Wir Sexological Bodyworker*, lernen früh das Thema «professionelle Nähe. Aber was ist das nun genau?!

Während eine Edelprostituierte dem Menschen mit Gesprächen, Begleitung und teils sexuellen Handlungen (welche nicht immer Bestandteil der Buchung sind) dem Auftraggeber die Zeit versüsst, ist es bei therapeutischen Körperarbeitern nicht unähnlich: auch wir schenken dem Klienten während einer Session die uneingeschränkte Aufmerksamkeit, hören genau hin, fragen - statt sagen, öffnen neue Perspektiven und ja, auch wir berühren Klienten unter bestimmten Rahmenbedingungen die Menschen an ihren Genitalien bis hin zur orgastischen Freude – je nach Thema was der Mensch vis a vis lernen oder lösen will. Das heisst nicht, dass wir die Klientin umarmen und «Beste Freunde auf Zeit» sind. Jedoch kommen wir nur an den Kern ihres Themas, wenn wir ein Ur-Bedürfnis von Nähe, Akzeptanz, Sicherheit, Respekt, und Nähe in Form von Körperlichkeit, Emotional und Geistig auf einem entsprechenden Niveau halten. Hier kommt die professionelle Nähe ins Spiel. Nicht jedem Menschen ist das von Natur aus gegeben, dass man im beruflichem jemandem sehr nahe kommt, aber wenn nach der Verabschiedung die Tür geschlossen wird, die Nähe aufgelöst ist.


Intensiv

Wir haben mit den Klienten eine Tiefe, die auf einen bestimmten Zeitraum beschränkt ist. Wie ein Comedian, der dich umwirbt, zum lachen bringt, in eine heitere Welt entführt; doch wenn das Rampenlicht aus ist, ist die Show vorbei und man ist im Leben zurück…

Aber halt: nein, wir ziehen keine Show ab als Coaches für sexuelle Themen! Jedoch stelle ich immer wieder fest, dass es energetisch gar nicht möglich wäre, eine solche Präsenz über viele Stunden aufrecht zu erhalten.

Die Zeit in der eine Klienten-Session läuft (meist bis drei Stunden) ist intensiv – sehr intensiv. Meist gehe ich danach essen und mindestens kurz ausruhen, hinlegen oder meditieren. Es hat seinen Grund, warum ein Coaching gutes Geld kostet. Nicht nur die drei Stunden wo die Klientel vor Ort ist, kostet den Coach Zeit, auch das Akquirieren, Nachbearbeiten der Inhalte, Feedbacks, Praxis vorbereiten (viel Wäsche waschen), Buchhaltung, Marketing, Weiterbildung und eben Energie-Ressourcen wieder aufladen.


Manchmal gehen die Themen auch nahe und man hat zusätzlich mit seiner inneren Balance zu tun. Oder wenn eine Geschichte einer Klientin genau meine eigenen Punkte triggert. Da heisst es dann: eigenes ausblenden und aktiv bei der Klientin bleiben!


Schutz

Bei einer Session kommen wir dem Gegenüber sehr nahe. Körperlich, im Vertrauen wie auch auf geistiger Ebene. Hier ist Schutz wichtig. Wir Sexological Bodyworker, oder wie ich sage Erotik-Coaches, haben keinen Geschlechtsverkehr mit den Klienten. Auch als Erotik-Masseurin ist dies kein Bestandteil meiner Dienstleistung. Aber dennoch ist die Nähe vorhanden.

Wenn sich Menschen sich so offen und verletzlich zeigen, ist Schutz und Prävention wichtig. Doch wie gestaltet ein Therapeut oder in meinem Fall eine sinnliche Masseurin, einen Schutz?!

Je nach Rolle, sind die Schutzmassnahmen verschieden. Selbst in der Grundausbildung zum Sexological Bodyworker wird das Thema «verlieben in den Klienten oder der Klient verliebt sich in den Coach» thematisiert. Dies darf nicht unterschätzt werden! Wobei es natürlich nicht im Monates Rhythmus vorkommt, dass man Rosen mit Liebeskarte erhält. Doch genau darum geht es in «professionelle Nähe»: man ist authentisch beim Menschen, aber man wahrt die Grenzen beiderseits und Schützt diese! Da der Coach die Führung und Verantwortung hat, ist es Aufgabe des Trauners, dem Klientel klar zu sagen, wenn was in der Beziehung zwischen Coachee und Therapeut nicht stimmig ist.


Wenn der Fall eintritt, dass eine der beteiligten Personen Gefühle hegt, muss der Coach das Klientel weiter an einen anderen Sexological Bodyworker verweisen und sich einer Supervision unterziehen.

In der Theorie klingt dies alles halb so tragisch, doch auch ich habe bereits in meiner jungen Karriere erlebt, wie es ist, wenn sich ein Klient zu sehr für das Privatleben des Coaches interessiert. Wenn SMS gesendet werden oder sexuelle Fantasien der Klient dem Coach per Mail zuflüstert. Da musste ich konsequent sein und dem Klienten dessen Coaching bereits vorbei war, mitteilen, dass dies nicht geht – auch nicht nach einem abgeschlossenen Coaching.

Glücklicherweise erging es dem Klienten wie den meisten: sie haben sich nicht in die Person verguckt, sondern in die Situation - die Gefühle des Moments.

Natürlich ist es etwas Spezielles, wenn eine Person die Genitalien auf eine Weise berührt, die der Klient womöglich noch nie erlebt hat. Wenn die Coachin dann noch optisch ins Beuteschema passt, können die Hormone schon Mal durchgehen. Doch auch da: es ist nur eine kurzzeitige Erscheinung und die Klienten haben sich zumeist sehr schnell wieder gefangen.


Professionelle Nähe und Authentizität: Gabe und «Fluch» zugleich.

Trennung

Auch wenn die Klienten und ich eine tolle, intensive und berührende Zeit (emotional und physisch) hatten, so gehört es zu meinem Beruf als Erotik-Coach, dass ich meine Klientel nicht date. Um ehrlich zu sein, hätte ich auch nicht die Zeit hierfür. Zu sehr bin ich aktuell mit diversen parallellaufenden Weiterbildungen, Buch schreiben, Familie, Podcasts, Blog, Social Media, Marketing und dem Leben beschäftigt...

Und wer mir auf diese Info schreibt «okay, dann eben später. Nächstes Jahr…», da muss ich abwinken: wenn nicht Heute, dann auch nicht nächstes Jahr. Da werden meine 7-Meilen-Stiefel erst langsam richtig eingetragen…


Sexworkerinnen

Nun, zurück zu den bezahlten Frauen auf Zeit. Auch diese berühren ihre Klientel anders, intensiver – oder überhaupt wieder Mal. Dass die Menschen welche ihren Körper oder zumindest ihre Zeit gegen Geld verkaufen, haben entgegen der Landläufigen Meinung nicht das oberste Ziel, einen reichen Kerl zu heiraten. Denn Prostituierte sehen die Gesellschaft in einem anderen Blickwinkel. Sie sehen die Einsamkeit, die Fetische, die Begierden, die Nöte, Diskrepanzen und vieles weitere. Dennoch wollen und können sie ihren Kunden eine wunderbare Zeit geben, indem sie ihre professionelle Nähe geben.

Warum sie dies nicht kostenlos machen kann ich absolut verstehen. Denn auch sie haben energetisch viel zu leisten. Es ist nicht nur Champagner schlürfen, sexy Kleider anziehen und einen Blowjob geben. Wer nur ansatzweise sich Mal einige Stunden intensiv um jemanden interessiert, ja gekümmert hat und vielleicht sogar sexuelle Wünsche erfüllt hat, dem gebührt mein Respekt! Es ist definitiv kein Spaziergang einem fremden Menschen die Wünsche von den Augen abzulesen und sein gesamtes eigenes Leben für diese Zeit auszublenden.

Natürlich ist das Eintauchen in die andere Welt, sei es als Erotik-Coach, als Masseurin oder eben als Escort immer wieder spannend – aber eben auch anstrengend.



Ich danke all denen, die ihre Energie, ihr Interesse und ihre authentische, professionelle Nähe ihrem Klientel widmen. Es ist ein Dienst an der Gesellschaft.

Sexological Bodyworker ist kein Escort-Service, wenn auch der Name verwirrend sein mag. Wir SexBody, wie wir uns nennen, sind Coaches, sind Therapeuten die in einer Praxis arbeiten. Escorts sind Menschen die gegen Bezahlung unter Anderem Sex mit ihren Kunden haben. Dennoch möchte ich hier das Thema Prostitution aufgreifen.

Je nach Regelung des Baumamtes, geht der Beruf Sexological Bodyworker unter Prostitution. Dies aufgrund der Regelung, weil wir unsere Klienten intim berühren und ihnen je nach Lernthema) sexuellen Genuss bereiten. Beispielweise wenn eine Frau lernen will, einen Orgasmus zu haben, kommt diese in unsere Praxis und kann dies dort durch Gespräche und Körperarbeit (Gentalmediation und anderen Tools) lernen. Jedoch kann es sein, dass im der Beruf SexBod da nicht unter die Prostitution geht.

Mir persönlich ist dies egal. Ich bin privat gleich, ob ich nun auf dem Papier (das nicht Mal existiert) wo ich als Prostituierte gelte (in Deutschland benötigt man einen sogenannten Huren-Pass), oder ob ich einfach ein Mensch bin der im Beruf mit sexuellen Themen zu tun hat.



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